v## Morsetelegrafie lernen

Ich habe mich im Oktober 2024 dazu entschieden, die Morsetelegrafie (CW) zu lernen. Aber was war für mich denn eigentlich die Motivation dahinter?

Motivation

Ein SSB-Signal hat eine Bandbreite von etwa . Ein Morsesignal jedoch deutlich weniger Bandbreite von wenigen hundert Hertz. Somit muss die Sendeleistung ein deutlich geringere Bandbreite füllen. Daher dürfte die Leistungsdichte über der Frequenz entsprechend höher sein.

Praktisch bedeutet dass, dass man mit wenig Sendeleistung (QRP) trotzdem noch leichter gehört wird. Und da eine meiner bevorzugten Arten Amateurfunk zu betreiben POTA (Parks on the Air) und SOTA (Summits on the Air) sind, ist es etwas, von dem ich sehr stark profitieren kann, wenn ich diese Art der Kommunikation beherrsche.

Darüber hinaus gibt es auch einige Funker, die nahezu ausschließlich in Morsetelegrafie arbeiten. Wenn ich zu ihnen einen Kontakt aufbauen möchte, ist es also wichtig, dass ich dafür die Morsetelegrafie beherrsche.

Der Lernpfad

Meine Lernreise für Morsetelegrafie begann im Oktober 2024, als ich bei Hajo DJ9MH einen CW-Kurs mitgemacht habe. Der Telegrafie-Kurs war Online über die Plattform treff.darc.de . Der Rhytmus war einfach: Jeden Montag, Mittwoch und Freitag gab es ein neuen Buchstaben, eine neue Ziffer oder ein neues Zeichen. Orientiert hat sich Hajo an LCWO . Dies konnten wir auch verwenden, um selbständig weiter zu üben. Hajo hat nahezu jeden Tag (damit meine ich Montag bis Sonntag) eine Übungseinheit angeboten. Jede Einheit hatte typischerweise 30 Minuten. Innerhalb dieser Einheit wurden dann mehrere Texte von einer Länge zwischen einer Minute und fünf Minuten gegeben. Diese wurden zum Teil mehrfach gegeben (“vorgespielt”), um seine eigenen Fehler zu korrigieren, oder Lücken zu schließen.

Wir haben mit einer Zeichengeschwindigkeit von (Wörtern pro Minute) gehört, aber die Effektivgeschwindigkeit auf 8-10 Wörter pro Minute reduziert. Dadurch war die Zeichengeschwindigkeit schnell genug, um nicht jeden einzelnen Punkt und Strich zu zählen, sondern sich an den Klang der Zeichen zu gewöhnen. Der zusätzliche Abstand zwischen den Buchstaben und Wörtern hat einem aber Zeit gegeben, darüber nachzudenken, und das jeweilige Zeichen aufzuschreiben.

MorseMachine

Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich alleine von dem Kurs nicht so gut an meinen Schwächen arbeiten kann. Ich bin ein großer Freund von möglichst kurzen Feedback-Loops, weil ich der festen Überzeugung bin, dass man dadurch schneller lernt. Wenn ich in einem der Durchgänge nach einigen Minuten erst gemerkt habe, dass ich einen Fehler hatte konnte ich das nicht mehr wirklich zuordnen, was ich zu dem Zeitpunkt gehört oder gemeint hatte. War ich unkonzentriert? Habe ich ein Zeichen überhört? Ich wollte das Feedback entsprechend schneller.

Dadurch habe ich angefangen, auf LCWO die MorseMachine zu verwenden. Dabei wird einem immer ein Buchstabe vorgespielt, und man tippt ihn direkt ein. Man kann einstellen, dass ein falsches Zeichen akustisch angezeigt wird, und danach wird das Zeichen wiederholt. Damit war es mir leichter möglich, mir die einzelnen Zeichen besser einzuprägen.

Zum heutigen Stand habe ich alleine in der MorseMachine bereits über 69.000 Zeichen geübt. Wenn ich Zeit habe versuche ich zwischen 500 und 1000 Zeichen zu üben. Wenn ich wenig Zeit habe, dann sind es nur ein paar wenige (vielleicht 50-200). Ich unterstütze damit weiter eine gute Erkennung der individuellen Zeichen.

5er Gruppen

“5er Gruppen” bedeutet, dass immer 5 Zeichen als eine Gruppe gegeben werden. Innerhalb dieser Gruppe entspricht der Pausenabstand dem Abstand zwischen zwei Zeichen. Der Abstand zwischen zwei Gruppen entspricht dem Pausenabstand zwischen zwei Wörtern. Entsprechend werden hierbei immer Wörter einer Länge von 5 Zeichen simuliert.

Bei Hajo im Kurs, haben wir regelmäßig mit 5er Gruppen gearbeitet. Diese habe ich kontinuierlich weiter für mich geübt. Der Hintergrund dahinter ist, dass man dabei eine fest vorgegebene Zeit hat, bis der nächste Buchstabe kommt. Dadurch steigt der Druck, und man macht Fehler. Dafür trainiert man aber auch einen stärkeren Automatismus. Um Geschwindigkeiten mittelfristig zu steigern, sowie ein Gefühl für Zeichen und Wortabstände zu bekommen, habe ich auch für mich kontinuierlich an den 5er Gruppen gearbeitet.

Seit Ende Oktober habe ich, zumindest zum Zeitpunkt, als ich das schreibe (also über 5 Monate später) jeden Tag 5er Gruppen geübt. Es waren meist nicht besonders viele. Nur ein paar Minuten pro Tag. Aber in Kombination mit der MorseMachine war es ein gutes und kontinuierliches tägliches Training. Als Ergebnis daraus bin ich sehr zufrieden mit meinem heutigen Fortschritt (aktuell habe ich etwa 90% richtig bei kurzen Durchgängen mit einer effektiven Geschwindigkeit von 18 Wörtern pro Minute).

RufzXP

Neben dem reinen Lernen mit LCWO habe ich angefangen, die Aufnahme von Rufzeichen zu üben. Dafür verwende ich das Programm RufzXP. Das gibt pro Durchgang immer 50 Rufzeichen. Es startet mit einer einstellbaren Geschwindigkeit (in meinem Fall 15 wpm). Wenn ich ein Rufzeichen korrekt aufgenommen habe, wird die Geschwindigkeit erhöht (+1 wpm), wenn ich ein Rufzeichen falsch aufgenommen habe, wird die Geschwindigkeit verringert (-1 wpm).

Dieses vorgehen hilft mir dabei, mich darauf vorzubereiten, dass ich verschiedene Rufzeichen schnell erkennen können muss, wenn ich beispielsweise bei einer Aktivierung oder in einem Contest Rufe, und mir verschiedene Stationen antworten.

Nächste Schritte

Ich will weiter meine Geschwindigkeit erhöhen, damit ich in einem sinnvollen Rahmen QSOs führen kann. Mein Ziel sind dabei erst einmal 20 Wörter pro Minute. Das gilt in etwa als der Bereich, in dem man noch gerade so mitschreiben kann.

Wenn ich dies erreicht und gefestigt habe, ist mein nächste Ziel, das sogenannte “HeadCopy”. Also die Fähigkeit, nicht mehr mitschreiben zu müssen, um den Inhalt einer Nachricht zu verstehen, sondern stattdessen einfach den Sinn aufzunehmen. So schreibt man dann anfangs typischerweise nur noch wichtige Informationen (Rufzeichen, Namen, eventuell den QTH - also den Wohnort) mit. Der Rest des Gesprächs kann man sich im Kopf zusammen setzen.

Wie ich das angehe, weiß ich heute noch nicht ganz. Aber von dem, was ich dazu gelernt habe, ist ein wichtiger Meilenstein, dass man aufhört, mitzuschreiben, und akzeptiert, dass man dadurch nicht mehr alles aufnehmen kann. Wenn man die Furcht hinter sich lässt, fangen dann Automatismen im eigenen Kopf an zu arbeiten.

Ein weiterer Schritt ist aber natürlich auch, dass man verschiedene Wörter, die in der Amateurfunksprache vorkommen, mit ihrem individuellen Wortklang trainieren muss.

Persönliches Fazit

Es macht Spaß Morsetelegrafie zu lernen. Es ist ein wenig, wie wenn man noch einmal das Schreiben lernt. Man beobachtet sich dabei, wie man selbst Buchstabe für Buchstabe versucht zu dekodieren, wie man Fortschritte dabei macht, und sich freut, dass sich Automatismen entwickeln, und man irgendwann weniger lang bewusst nachdenken muss. Und manchmal sogar, dass der Automatismus richtig liegt, während der Kopf noch darüber nachdenkt “War das jetzt ein B (-…) oder eine 6 (-…)?”.

Ich mache persönlich nur dadurch Fortschritte, dass ich wirklich jeden Tag übe. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vielleicht Angst davor gehabt, überhaupt zu starten. Heute bin ich froh, in dieses kalte Wasser hinein gesprungen zu sein.

Quellen